Geschichte der Geographie in Aachen

 

Die Geographie ist eine der ältesten an der RWTH Aachen (seit 1870) vertretenen Disziplinen.

Ab 1907 gab es an der RWTH Aachen eine von Prof. Dr. Max Eckert-Greifendorff ausgefüllte Dozentur für Geographie und von 1932-1936 ein persönliches Ordinariat für "Wirtschaftsgeographie und Kartographie" in der "Fakultät für Allgemeine Wissenschaften" unter seiner Leitung. Das umfangreiche Lebenswerk von Prof. Eckert–Greifendorff beinhaltet einerseits Arbeiten zur Allgemeinen Geographie, insbesondere zur Geomorphologie und Wirtschaftsgeographie, andererseits wichtige Beiträge zur Kartographie (vgl. Meine 1998: 77ff). Leider hat Max Eckert-Greiffendorff (gest. 1938) in seinen letzten Lebensjahren die notwendige Distanz zum nationalsozialistischen Regime vermissen lassen (Krebs und Tschacher 2005: 94). Seine Nachfolger haben sich bis zur Einstellung des Lehrbetriebs in Geographie im Jahre 1942 - wie an vielen anderen Universitätsstandorten in Deutschland auch (Brogiato 2005:41ff, Fahlbusch et al. 1989, Wardenga, 1996:233ff) - aktiv in Forschung und Lehre als Vertreter einer „völkisch-rassischen Geographie an der TH“ (Krebs und Tschacher 2005:94) positioniert (vgl. auch Kalkmann 2003:298 ff). Das Geographische Institut ist sich der unrühmlichen Nähe seines Gründers zum Nationalsozialismus in dessen letzten Lebensjahren und der daraus erwachsenden Verantwortung für Forschung und Lehre in heutiger Zeit bewusst.

1954 erfolgte die Neugründung des Geographischen Instituts mit einer außerordentlichen Professur für Geographie, die 1963 in ein Ordinariat "Geographie", das Prof. Dr. Felix Monheim innehatte, überging. Zu dieser Zeit gab es am Geographischen Institut einen Hochschullehrer, einen Assistenten und 45 Studenten.

1965 erfolgte die Teilung der "Fakultät für Allgemeine Wissenschaften" in die "Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät" und die "Philosophische Fakultät". Die Geographie wurde in die "Philosophische Fakultät" integriert.

In den Jahren bis 1974 vollzog sich ein stetiger Ausbau des Geographischen Instituts, von 2 Hochschullehrern, 3 Wiss. Mitarbeitern und 300 Studenten im Jahre 1968 zu 7 Hochschullehrern, 13 Wiss. Mitarbeitern und 1.200 Studenten im Jahre 1974. Im Zuge von Konzentrationsmaßnahmen an den Hochschulen des Landes Nordrhein-Westphalen erfolgte ab 1982 keine Neuzuweisung von Lehramtstudierenden für das Fach Geographie an der RWTH Aachen mehr. Zugleich wurde die Zahl der Hochschullehrer bis 1999 auf 4 und die der Wiss. Mitarbeiter auf 12 reduziert.

Im Studienjahr 2002 waren am Geographischen Institut 4 planmäßige Professoren, 2 apl. Professoren/innen und 15 Wissenschaftliche Mitarbeiter tätig. Das Lehrangebot des Instituts wurde durch 2 nicht hauptamtlich dem Institut zugehörende Professoren, einen Honorarprofessor und zahlreiche Lehrbeauftragte ergänzt. Im Jahr 2002 lagen am Geographischen Institut etwa 1855 "Studienfälle" vor. Da von vielen Studierenden eine Kombination der Fächer Geographie und Wirtschaftsgeographie gewählt wurde, bedeutet dies, dass etwa 1100 Studentinnen und Studenten am Geographischen Institut studierten.

Mit dem 1.10.2002 wechselte das Geographische Institut aus der Philosophischen Fakultät (FB 7) in die Fakultät für Bergbau, Hüttenkunde und Geowissenschaften, die wiederum wenig später in Fakultät für Georessourcen und Materialtechnik (FB5) umbenannt wurde. Das Geographische Institut gehört im FB 5 der Fachgruppe Geowissenschaften und Geographie an, die durch Umbenennung 2005 aus der Fachgruppe Geowissenschaften hervorgegangen ist. Alle angebotenen Studiengänge blieben von dieser Veränderung unberührt. Nach Beschlüssen beider Fakultäten erhielten die Professoren der Geographie eine „Doppelsitzigkeit“ im FB7 bzw. FB5. Im Verbund des Fakultätswechsels wurde auch eine C3-Professur für Kulturgeographie wieder eingerichtet.

In Folge der "Bologna-Beschlüsse" wurden die Magisterstudiengänge modularisiert, um sie künftig als Bachelor- und darauf aufbauende Masterstudiengänge weiter zu führen. Mit dem Wintersemester 2005/06 begannen die Bachelorstudiengänge (B.Sc.) "Angewandte Geographie" im FB5 sowie das Bachelorfach "Geographie" (BA) im FB7. Die Masterstudiengänge "Angewandte Geographie" bzw. "Wirtschaftsgeographie" (beide im FB5 als M.Sc.) werden zum Wintersemester 2008/09 starten. Seit dem Wintersemester 2005/2006 unterliegt das Studium der Geographie an der RWTH wegen der hohen Nachfrage einer Zulassungsbeschränkung für Studienanfänger.

Im Wintersemester 2006/2007 waren 742 Studierende (bzw. 1054 Studienfälle) in den beiden auslaufenden Magisterstudiengängen eingeschrieben. Hinzukommen ca. 200 Studierende in den beiden ersten Jahrgängen der neuen Bachelorstudiengänge.

In den Jahren 2001 bis 2006 sind die Nachfolgebesetzungen der Lehrstühle "Physische Geographie und Geoökologie" sowie "Wirtschaftsgeographie" und der C3-Professur "Physische Geographie und Klimatologie" vollzogen worden. Die Wiederbesetzung der W2-Professur "Kulturgeographie" erfolgt im Jahre 2007. Dieser Generationswechsel spiegelt die personelle Veränderung im Dozentenkreis seit 2001.

Literaturnachweis:

Brogiato, H. (2005): Geschichte der deutschen Geographie im 19. und 20. Jahrhundert. Ein Abriss. In: Schenk, W. und K. Schliephake (Hrsg.): Allgemeine Anthropogeographie. Klett-Perthes, Gotha, 41-82.

Fahlbusch, M., M. Rössler und D. Siegrist (1989): Geographie und Nationalsozialismus, 3 Fallstudien zur Institution Geographie im Deutschen Reich und der Schweiz. Urbs et regio 51, Verlag Gesamthochschule, Kassel, 469 S.

Krebs, S. und W. Tschacher (2005): Der schwierige Umgang mit dem Erbe der NS-Vergangenheit – Ein Forschungsprojekt zur Hochschulgeschichte der RWTH. In: RWTH Themen, Heft 2/2005, S. 94-95.

Kalkmann, U. (2003): Die Technische Hochschule Aachen im Dritten Reich (1933 – 1945). Aachener Studien zu Technik und Gesellschaft, Band 4, Verlag Mainz, 602 S.

Meine, K.-H. (1968): Zum 100. Geburtstag von Max Eckert. Kartographische Nachrichten, Band 18, Heft 3, S. 77-80.

Wardenga, U. (1996): Geographie im Dritten Reich, Ergebnisse der jüngeren Forschung. Marburger Geographische Gesellschaft e.V. - Jahrbuch 1995, Marburg, 233-239.